Eine vergessene Lektion der Geschichte

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Ein Münchner Standbild gibt Rästel auf

denkmal-max-emanuel-von-bayern-am-promenadenplatz-in-muenchenMünchen/Belgrad. 333 Jahre auf den Tag genau ist es her, daß ein Pole und ein Bayer dem moslemischen Sturm gegen Europa vor Wien abwehrten und die Donaumetropole aus dem Würgegriff der Türken befreiten. Am 12. September 1683 haben der polnische König Jan III. Sobieski und der bairische Regent Maximilian II. Emanuel, Kurfürst von Bayern, mit 74.000 Soldaten – einem zahlenmäßig den Osmanen weit unterlegenen Heer – den rund 150.000 Türken das Fürchten gelehrt. Die Schlacht am Kahlenberg vor Wien, dem heutigen Ortsteil Leopoldsberg, bei der die Bayern mit 10.500 Mann und 26 Geschützen beteiligt waren, gilt als die Entscheidungsschlacht bei der Befreiung Wiens von den Osmanen unter Kara Mustafa. Die Verluste der Entsatzarmee lagen bei rund 2.000 Toten und 2.500 Verwundeten. Die Verluste der Türken lagen bei rund 10.000 Toten und 5.000 Verwundete. Darüber hinaus wurden von der Allianz vor Wien 5.000 Muselmanen gefangen genommen.

Max II. Emanuel war einer der wenigen Fürsten, die sich persönlich an der Schlacht beteiligten und alleine schon deshalb Respekt und Bewunderung ihrer Soldaten genossen. Bei der beabsichtigten Gegenoffensive des Großwesirs wurden die Osmanen Schlacht um Schlacht nach Süden getrieben. Dabei stellten insbesondere die bairischen Truppen ihre Tapferkeit unter Beweis und wurden so schnell zum Schrecken der Osmanen. Die sprachen von deren Kurfürsten wegen seiner blauen, weithin über das Schlachtfeld sichtbaren Uniformjacke, bald bewundernd vom tollkühnen „Blauen König“.

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Der polnische König Jan III. Sobieski übergibt die Botschaft für den Papst: „Wien ist befreit“.

Der Große Türkenkrieg sollte jedoch noch Jahre weiter andauern. Fünf Jahre später erhielt der zu diesem Zeitpunkt erst 26jährige Bayer bei der Belagerung von Belgrad das Oberkommando über die Truppen der Allianz. Belgrad war 1521 von den Osmanen erobert worden. Unter dem Kommando von Kurfürst Max Emanuel begann die Belagerung Anfang August 1688. Nach nur einem Monat, am 6. September 1688, wurde die Stadt unter enormen Verlusten auf beiden Seiten von der moslemischen Zwangsherrschaft befreit. Am Tag der Entscheidung schlug das christliche Heer eine Bresche in die Belgrader Festungsmauer. Gegen vier Uhr morgens drangen die Soldaten der Allianz in die Stadt ein. Die heftige Gegenwehr der Osmanen zwang jedoch die Angreifer zunächst unter heftigen Verlusten wieder zum Rückzug. Daraufhin soll Max Emanuel mit blank gezogenem Degen zurück in die Stadt gestürmt sein und an der Spitze der ihm folgenden Soldaten diese in der Festung in einem erbarmungslosen Kampf gegen die Türken zum Sieg geführt haben. Wien war am 12. September 1683 befreit, die seit dem 14. Juli andauernde Belagerung beendet.

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Die Wende im Großen Türkenkrieg 1683 – Entsatz der Stadt Wien (Heeresgeschichtl. Museum Wien).

In der bayersichen Landes- hauptstadt München steht auf dem Prome- nadeplatz das oben abgebildete Standbild von Kurfürst Max II. Emanuel von Bayern. Die Inschrift lautet: „Max Emanuel – Belgrads Eroberer“. Das wird dem historischen Ereignis nicht gerecht, denn der Bayer und die von ihm geführten Truppen der christlichen Allianz waren keine Eroberer, sie wurden als Befreier vom osmanischen und damit islamischen Joch von der Bevölkerung gefeiert. Wenn Sie in München zum Promenadeplatz gehen und Passanten nach dem Sinn der Inschrift auf dem Denkmalsockel fragen, ernten Sie meist ein bedauerndes Kopfschütteln oder aber Sie lernen gerade einen Leser des regionalReports 😉 kennen.

Die Ereignisse vor Wien haben die folgende Entwicklung Europas und seines vielfältigen kulturellen Reichtums in den Nationalstaaten maßgeblich beeinflußt. Ohne die Siege gegen das Osmanische Reich wäre die Epoche der Aufklärung wohl nie möglich geworden, unsere heutigen Wertvorstellungen von Demokratie und Menschenrechten sähen im Jahre 2016 ganz anders aus und es darf berechtigte Zweifel geben, ob sie besser wären. Die wahre Lektion der Geschichte ist jedoch eine andere: Wenn diese Werte erhalten werden sollen, ist es unbedingt erforderlich, den seit 2015 anhaltenden erneuten Sturm Europas mit aller Entschiedenheit abzuwehren und die unheilvolle Politik der – ohnehin gescheiterten – „Integration“ aufzugeben. Kurzum – Bayern bräuchte zumindest in diesem Punkt einen neuen Max II. Emanuel und Europa den nächsten Jan Sobieski.

Fotos: 
Max II. Emanuel - 
Bbb auf wikivoyage/CC BY-SA 3.0, 
Schlachtengemälde
Wikimedia/Jan Matejko;  

 

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