Kleinstaaten als freiheitliche Lösung?

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Wie muß ein Staat mit möglichst viel Freiheit und möglichst wenig Zwang aussehen?

München. Rolf W. Puster, Professor für Philosophie an der Universität Hamburg, erläutert im ausführlichen Interview mit www.misesde.org, dass sich Freiheit sehr viel besser begründen läßt, wenn man sich dabei nicht auf moralische Urteile stützt: „Moralische Intuitionen, die […] mit Freiheitsforderungen notorisch in Konflikt geraten, lassen sich de facto […] nicht mit moralischen Gegenintuitionen zugunsten der Freiheit neutralisieren oder überwinden.“

Vielmehr sollten sich die Verteidiger der Freiheit alleine auf eine wertfreie Argumentation stützen. Genau dies entspricht auch der Position Ludwig von Mises, der seine Praxeologie als eine strikt wertfreie Wissenschaft angelegt und verstanden hat. Ihre Prämisse lautet: der Mensch handelt. Weil aber die Ziele des jeweiligen Handels nur dann schnell, effizient und vollständig erreicht werden können, wenn das Handeln nicht durch wie auch immer geartete Hemmnisse behindert wird, liegt es im wohlverstandenen Eigeninteresse jedes einzelnen Menschen, selbst möglichst frei zu sein. „Wer versteht“, so Prof. Puster, „wie Handeln und Wollen sowie Freiheit und Zwang begrifflich zusammenhängen, der hält bereits die wichtigsten Bausteine einer wertfreien Freiheitsbegründung in der Hand.“

Puster sieht darüber hinaus die überkommene Definition von Freiheit als Abwesenheit von Zwang zwar als nicht falsch, aber zeitgleich als viel zu pauschal und damit wenig hilfreich an. Denn in einer wie auch immer verfassten Gesellschaft ist der Mensch stets mit Zwängen konfrontiert. Die essentielle Frage kann somit nicht sein, wie er dem Zwang komplett entgeht, sondern ob und wie sich Zwang „erträglich“ gestalten läßt und welche subjektiven Bedingungen für das einzelne Individuum gegeben sein müssen, damit es trotz eben dieses Zwanges relativ frei und selbstbestimmt leben kann.

„Folgt man der Betonung des subjektiven Aspekts von Zwang, dann wird auch verständlich, weshalb für Ludwig von Mises das Sezessionsrecht eine so große Rolle spielt“, fügt Andreas Marquart, Vorstand des Ludwig von Mises Instituts Deutschland, an. „Wenn Zwang unausweichlich ist, dann besteht die eigentliche Freiheit des Individuums darin, sich die jeweiligen Zwänge, denen es sich unterwirft, auszusuchen und mit Menschen Gemeinschaften zu bilden und zu kooperieren, deren Präferenzen diesbezüglich ähnlich gelagert sind.“

Im modernen Staat materialisiert sich geradezu jener Antagonismus von Freiheit und Zwang. Wie also muß ein Staat gestaltet sein, in dem möglichst viel Freiheit und möglichst wenig Zwang herrscht? Das Ludwig von Mises Institut ist sich sicher: Auf die Größe kommt es an. Deshalb steht die diesjährige Ludwig von Mises Konferenz ganz im Zeichen kleiner und Kleinststaaten.

Unter dem Titel „Small is beautiful – vom Vorteil kleiner politischer Einheiten” wenden sich am Samstag, 21. Oktober 2017, im Hotel „Bayerischer Hof“ in München namhafte Redner den positiven Effekten möglichst kleiner Staatseinheiten zu. Die Vortragenden sind S.D. Fürst Hans-Adam I. von und zu Liechtenstein („Der Staat im dritten Jahrtausend”), Professort Dr. David Dürr („Die viel zu große Schweiz – und was dagegen zu tun wäre”), Dr. Titus Gebel ( „Freie Privatstädte – die Zukunft gehört politikfreien Gemeinwesen”), Andreas Marquart ( „Small is beautiful – und friedlicher”) und Professor Dr.Thorsten Polleit ( „Großer Staat entsteht – großer Staat vergeht“).

Eine Anmeldung ist ab sofort hier möglich.

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